Fragwürdige Political Correctness zwischen Heidi-Milch und Indianer-Kaffee.
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Aktualisiert: vor 15 Stunden

Böse ist das stereotypische Marketing nur, wenn es (zu attraktive) Frauen oder eine kulturelle Minderheit betrifft.
Vielleicht, weil die Schweiz viel Geld besitzt. Oder aber, weil wir nie verfolgt wurden.
Kaum ein Schweizer kennt milchwarme Ziegenmilch aus einer Holzschale auf einer Alp. Aber es ist okay, solange es Millionen für den Schweizer Tourismus und die eidgenössische Wirtschaft bedeutet.
Wir nehmen das hin und benennen Raststätten nach einer fiktiven Geschichte, welche Millionen Touristen bringt.
Everything is marketing. Zumindest solange es keine andere Hautfarbe als «Weiss» hat.
Nun könnte man sagen, ich sei als weisse Schweizerin privilegiert und kenne böse Bemerkungen nicht. Nun, ich wurde als als «Tsching», «Bastard» und als «Krüppel» bezeichnet.
Ein potenzieller Arbeitgeber teilte mir mit, dass ich als Frau und mit ausländischem Namen doppelt uninteressant als Arbeitnehmerin wäre.
Während meines Militärdienstes in der Schweizer Armee hörte ich unzählige Sprüche wie «Schnittenbonus» oder «Kompanieschönheit».
Hat's mich gejuckt?
Selten.
Hab ich mich gewehrt?
Manchmal.
War es mühsam?
Nur wenn sie es hinter meinem Rücken sagten und ich mich nicht beweisen durfte.
Doch bei all dem kam es mir nie in den Sinn, jemanden deswegen als rassistisch zu bezeichnen oder mit dem moralischen Viva-la-Vulva-Zeigefinger auf ihn zu zeigen.
Ich frage mich:
Doch warum gilt ein Logo, auf dem ein fiktives kleines Mädchen mit einem eigenbrötlerischen Grossvater einsam auf der Alp zusammenlebt und mit einem an einen Verdingbuben anmutenden Jungen den ganzen Tag einsam Ziegen hütet, als plausibel, während ein verspielter Indianerjunge sofort ein inneres Zucken auslöst?
Warum ist Heidi als Marketing okay, nicht aber der Indianerjunge auf der Kaffeebohnentüte?
Und was habe ich mit dem abgeschobenen Mädchen auf der Alp?
Und was mit dem Massenmord an andersstämmigen Völkern irgendwo auf der Welt zu tun?
Beide Male: nichts.
Was ich mich frage:
⚫ Warum musste der Indianer beim Winnetou-Glacé als Kindheitserinnerung ersetzt werden, nicht aber bei Sportclubs?
⚫ Müsste nicht Uncle Sam statt Uncle Ben aus der Öffentlichkeit verschwinden?
⚫ Warum dürfen George Washington auf der 1-Dollar-Note und Thomas Jefferson auf der 2-Dollar-Note prangern, während sie selbst Sklaven hielten?
⚫ Warum wird es geduldet, wenn ein dunkelhäutiger Mensch einen Weissen «Schneeflocke», «Karen», «Cracker», «Becky» oder «Whitey» nennt?
⚫ Warum darf mir ein Chinese «Langnase» sagen, ich ihm aber nicht «Schlitzauge»?
Beobachten wir mal Kinder:
Wer nie eine andere geografische Herkunft gesehen hat, betrachtet diesen Menschen lange. Denkt nach. Fasst an. Berührt die Haut, zieht mimisch das Gesicht nach. Und ganz oft wird dabei gelacht. Manchmal, weil es für uns witzig aussieht, oft aber aus dem Gedanken: «Aha, so gibt's das auch!»
Sie machen es uns doch vor: Sie begegnen dem Unbekannten nicht mit Verboten, sondern mit neugieriger Offenheit. Zeichnen Schlitzaugen, spielen Cowboy und Indianer. Lachen, scherzen - und tauschen die Rollen. Mal gewinnt der eine, dann der andere.
Wer und für wie lange halten solche Verbote eigentlich aufrecht, wenn spätere Generationen andere Menschen als Menschen sehen und nicht als Hetzer oder zu verachtende Minderheit?
Vielleicht, um ein kollektives schlechtes Gewissen zu erzeugen: Scham und Schuld waren seit vielen Jahrtausenden beliebte Mittel der Macht - natürlich nur, wenn es privilegierte Gruppen nutzten. Ansonsten gilt es als Aufklärung und Schutz.
Wer hat das eigentlich als dauernden Mahnfinger aufgestellt?
Wenn mein Grossvater im Krieg gestorben ist, warum muss ich nachfolgende Generationen und andere Nationen, die nichts damit zu tun hatten, massregeln?
Wenn ein Mann, der versklavt wurde, mit mir ins Gericht geht: plausibel. Doch warum lassen wir uns von Menschen massregeln, die mit dem Massstab ideologischer Moral bewerten – während sie Kritiker mit «alter weisser Mann»-Propaganda bekriegen?
Klar, Rassismus ist nicht in Ordnung. Polizeigewalt wegen der Hautfarbe ohnehin nicht. Doch warum wird bei den Hütern der Political Correctness nicht mit gleichen Massstäben gemessen?
Ist das Thema seit der Woke-Agenda noch stärker hochgekocht – oder kocht die Woke-Agenda seit der Political Correctness hoch?
Ich selbst feiere ja Mohrenköpfe, Zigeunerschnitzel und Wienerli. Ich hatte und habe nie rassistische Assoziationen dazu. Ich beisse weder in einen versklavten Menschen, noch zerschneide ich Fahrende auf dem Teller oder lege einen Österreicher in einen heissen Hund.
Wenn man mich mit Alphorn zeichnen würde, inmitten von Bergen und mit einer Jodeltracht, dann lächelte ich milde.
Mit Schweizern kann man's ja machen. Trinke einen Schluck meiner Milch und denke: «Ach, zu Heidis Zeiten war das alles noch viel einfacher.»
Text mit Menschenliebe verfasst.
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