Von "Schatzi" zu "Du Idiot!"

Als Paarforscher wie Prof. Dr. Guy Bodenmann im DACH-Raum Stresstests mit Paaren durchführten, stellten sie erstaunliches fest:
Paare, die im Vorfeld sehr wohlwollend und zugewandt miteinander umgingen, wurden zu verbalen Zombies und Bestien. Sie testeten Paare um ihre Kritikfähigkeit unter Druck zu prüfen. Das ernüchternde Ergebnis: Bereits nach wenigen heiklen Fragen sank die konstruktive Kommunikation um 40 %.
Die typischen Auswirkungen ließen nicht lange auf sich warten:
Dünnhäutigkeit
Gereiztheit
Sarkasmus
Direkte Kritik
Gegenseitige Abwertung
Dabei waren selten beide Partner im gleichen Masse gestresst. Durch das Phänomen der Stressansteckung übertrug sich die Anspannung jedoch rasch: Auch das Gegenüber wurde innerlich oder äußerlich unruhig. Aus einem individuellen Zustand wurde unweigerlich Paar-Stress.
Der Stresstest im Real Life
Besonders brisant wird diese Dynamik in der Lebensphase zwischen 30 und 50 Jahren. Die Rushhouer des Lebens sozusagen: Kinder, Hausbau, Karriere und erste gesundheitliche Veränderungen erzeugen ein enormes Stresslevel. Ausgerechnet hier nimmt die Sexualität bei vielen Paaren ab – ein Faktor, der die Beziehung zusätzlich belastet: sowohl jenen Part, der unfreiwillig verzichten muss, als auch denjenigen, der keine Lust mehr empfindet und sich unter Druck gesetzt fühlt.
Die zwei Beziehungs-Evergreens
In der Praxis zeigen sich bei meiner Arbeit immer wieder zwei klassische Muster, die Partnerschaften auf die Probe stellen:
1. Die Illusion der anziehenden Gegensätze und schleichende Werteverschiebung
Gegensätze ziehen sich zu Beginn an – biologisch ergibt das Sinn: Für die genetischen Vorteile der Paarung. Nicht aber unbedingt für die Beziehungsharmonie.
Danach «erziehen» Frauen Männer oft unbewusst zu ihrem eigenen Idealbild heran: Die störendsten Marotten werden schrittweise reduziert, ihre alltagstauglichen Elemente ihm diktiert.
Und so werden aus Gegensätzen immer mehr «Brüderchen und Schwesterchen».
Der Reiz der sexuellen Anziehung durch den Gegensatz geht verloren, das «Sichere» bleibt.
Dies ist soweit nachvollziehbar, da auf Dauer zu grosse Unterschiede am Beziehungsfundament kratzen. Eine Faustregel besagt: Es braucht mindestens 30 % Ähnlichkeiten, damit eine Beziehung auf Dauer nicht zum permanenten Kraftakt wird.
Besonders Werte spielen hier eine Rolle. Sie verändern sich oft schleichend. Auf die großen „Big Five“ ist man stolz, doch es sind oft die zehn scheinbaren Nebenwerte im Alltag, die das Fundament durch tägliche Reibereien untergraben.
(Hierzu kannst du eine umfassende Werteanalyse zu diversen Lebensbereichen kostenfrei downloaden).
Das spitzt sich im Alter zu:
Rente ist wie Geld – sie verdirbt den Charakter nicht, sie zeigt ihn.
Im Ruhestand wird es keineswegs automatisch ruhiger; hier treten die verschobenen Werte und Unterschiede ungeschminkt zutage. Dann stellt sich die entscheidende Frage: Wo sind wir verschieden, und wo sind wir bereit, Brücken zu bauen?
2. Fehlende Worte und zu viel Gesagtes
Das Ding mit dem Reden
Gerade bei der Kommunikation geht es im Kern immer um Emotionen. Um sinnvoll damit umzugehen, muss man Gefühle jedoch verstehen – und in der Lage sein, sie im richtigen Moment in der passenden Dosis zu regulieren oder zu kanalisieren.
„Finde mal Worte für deine Gefühle!“ – Na prima, des Mannes Lieblingsthema.
Zwar erleben gerade Männer beim sensiblen Thema Sex (oder dessen Ausbleiben) intensive Emotionen. Doch genau hier bricht der Austausch ab: Sie will nicht darüber sprechen (siehe die 40 % Kommunikationsreduktion), er kann oder versteht seine Gefühle oft selbst nicht richtig – mal ganz plakativ formuliert.
Im Berufsalltag gilt es, sich zusammenzureissen und Emotionen gedämmt zu halten. Zu Hause soll derselbe Mann plötzlich feinfühlig und sensitiv sein, ohne dabei zu überborden. Dieser Spagat fällt vielen schwer.
Ob Beziehungen Belastungen standhalten, entscheidet sich daran, wie Botschaften transportiert werden:
Verbal: Was gesagt wird (Wortwahl und Inhalt).
Paraverbal: Wie es gesagt wird (Tonfall, Lautstärke und Klangfarbe).
Nonverbal: Welche Körpersprache mitschwingt (Haltung, Blick und Gestik).
Was krisenfeste Paare unterscheidet
Welche Paare schneiden unter Stress besser ab und bewältigen Krisen erfolgreich? Es sind vier zentrale Säulen:
Kompetenzen: Der Erhalt und die Erweiterung von Feinfühligkeit und Sensitivität – aber auch motorische Fertigkeiten sowie kognitives Wissen.
Kommunikation: Das Zusammenspiel von verbaler, paraverbaler und nonverbaler Ebene (ergänzt um das Feinstoffliche).
Persönlichkeit: Aktive persönliche Weiterentwicklung und Selbstreflexion.
Bindungsstil: Das Bewusstsein über den eigenen Stil – ob sicher, ängstlich-ambivalent, gleichgültig-vermeidend oder ängstlich-vermeidend.
Fazit:
Lerne, Gefühle zu verstehen und die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.
Denn diese entscheiden darüber, ob Stress euch trennt oder zusammenschweisst. Im Alltag sowie im Bett.
Mehr dazu, was Männer tun können um wieder zu Sex zu kommen und wie sie lernen die Basics von
Gefühle (in sich und beim Gegenüber) wahrzunehmen ohne zu verweichlichen
Und wie man diese so kommuniziert, dass das ankommt, was man beabsichtigt
vertiefe ich in meinen kommenden Büchern. Erhalte es vor der offiziellen Veröffentlichung:
(Die Bücher dürfen auch Frauen lesen).










