Klärst du dein Kind nicht auf, wird es ein anderer tun.

Wenn das Kind euch beim Sex erwischt, was tun? 7 hilfreiche Punkte:
Aufklärung findet oft nach dem Prinzip „beschämte Affen mit Hoffnung“ statt.
1️⃣ Übernimm Verantwortung. Nicht nur für den Moment, wenn das Kind an eurer Bettkante steht.
Ertappt euch das Kind beim Sex, sind „Mama hat was weh getan“ oder „Mama und Papa haben Sport gemacht“ genauso (sorry) dämlich wie „Mama hat schlecht geträumt“.
Das Kind im Beispiel war 11, nicht 3.
Ihr erwartet von ihm, dass es die Wahrheit sagt (bspw. wenn es jemand im Internet bedrängt), aber selbst lügt ihr es aus Scham an.
2️⃣ Scham ist ansteckend.
Scham ist okay. Aber erklärt es. Wenn ihr beim Gespräch beschämt seid, ist das in Ordnung. Erklärt aber dem Kind, warum ihr Scham habt.
Sonst wird Sex zu etwas Diffusem, das man nicht tun darf, aber Mama und Papa trotzdem tun.
Das kann grosse Fragezeichen und Unsicherheiten öffnen.
Euer Job als Eltern ist es, Sicherheit zu geben. Ihr müsst kein Pokerface aufsetzen. Das Kind wird euch entlarven.
⚠️ Scham ist ansteckend und überträgt sich auf unsichere Personen im Gespräch.
(Laut Dr. Jens Tiedemanns Doktorarbeit über Scham überweisen viele Ärzte an andere medizinische Fachpersonen oder verschreiben wegen dieses bedrängenden Gefühls Medikamente oder potenzfördernde Mittel, wenn ein Klient ein Problem hat – obwohl man diese mit manuellen Übungen beheben könnte.)
3️⃣ Wir lernen Sex von Laien. Und wir wissen nicht mal, ob sie guten Sex hatten.
Aber wir erinnern uns an das Gefühl im Raum, als wir aufgeklärt wurden. Selbst wenn wir den Moment des Gesprächs vergessen haben. Unbewusst ist dieses Gefühl in uns gespeichert.
Du schämst dich oder lügst dein Kind an?
➡️ Genau beschämt wird das Kind später sein, wenn es mehr über Sex weiss und darüber reden soll.
Dass man sich ertappt fühlt, wenn während des Sex das Kind ins Schlafzimmer kommt, okay. Man wusste ja, dass das Kind zuhause ist. Dass man ertappt werden kann, nahm man in Kauf.
👉🏼 Dann muss man auch die Courage haben, später hinzustehen und Antworten zu liefern.
(By the way: Mit dem gleichen „Reh schaut in Scheinwerfer“-Reflex gehen Männer fremd und wundern sich, wenn es rauskommt.)
4️⃣ Erklärt es dem Kind nachträglich.
Ihr müsst es nicht erklären, wenn ihr euch erschrocken unter Bettdecke versteckt habt.
Sagt dem Kind, dass alles okay ist und ihr es später erklären werdet. Tut dies aber auch!
Das nennt sich Aufklärung.
Klärt es selbst auf, auch wenn es bereits weiss, wie Baby gemacht werden.
⚠️ Sonst wird es eine andere Person tun, bei der ihr nicht beeinflussen könnt, was diese sagt, zeigt oder tut.
Irgendwo, irgendwann, irgendwie. 🤯
Vielleicht wird es ein notgeiler Typ sein, der sie verführen will.
Genau das wird passieren, wenn wir als Eltern die Verantwortung nicht übernehmen.
Ich würde das Kind fragen, ob es okay ist (und darum auch wieder einschlafen kann), wenn die Erklärung bis morgen wartet. Ansonsten müssen halt jetzt ein paar Worte gewechselt werden. Wer Sex hat, muss auch mit den Konsequenzen rechnen.
Sagt nicht „Papa hat was in Mama reingesteckt“. Sonst denkt das Kind, der Mann habe mit Mama „irgendwas“ gemacht. Da ist ein luftleerer Raum für negative Interpretationen.
Stöhnen hört das Kind die Eltern kaum, zumindest nicht in dem Ausmass. Darum: Klär diese Unsicherheit bei eurem Kind!
Es ist euer Job als Eltern.
➡️ Aufklärung muss nicht perfekt sein. Aber in einem sicheren Rahmen stattfinden.
5️⃣ Wählt Sinnbilder.
Da nicht alle schambefreit sind und Sex komplex und einfach zugleich ist, erkläre ich es mit Sinnbildern.
Man kann ein Synonym für das Wort Sex wählen (aber das Kind muss wissen, was gemeint ist). Ich nenne Sex „Schätzele“. Ich erkläre, damit das Kind versteht, worum es geht und sich auch nicht abgespeist vorkommt. Sonst wird es lernen: „Frag nicht deine Vertrauenspersonen darüber. Und sprich nicht darüber.“
Es wird vermutlich genau diese Haltung zu Sex übernehmen.
Und du hast ein positives Sexleben für dein Kind, wenn es erwachsen ist, verkackt.
Erkläre es bspw. so:
„Letztens, als du ins Zimmer kamst, hatten wir Sex (oder eben euer Codewort). Da wird sehr viel Energie frei. Vor allem im Frauenkörper.
Stell dir vor, du steigst in ein sehr warmes oder sehr kaltes Wasserbad. Da atmest du sofort stark und manche geben da Laute von sich. Bsp. ein „Huff“, „Haaah“ oder eben ein Stöhnen.
Es ist befreiend und schön. Der Körper übernimmt das Kommando. Wenn zwei Erwachsene miteinander schlafen, übernimmt auch da der Körper das Kommando der Stimme. Das ist schön. Aber wir sind dabei unter uns."
6️⃣ "Hast du Fragen?“
Kaum ein Kind googelt „Mama stöhnt beim Sex“ – und wenn, dann werden definitiv nicht jugendfreie Inhalte auf das Kind zukommen. Dr. Sommer soll nicht auf YouPorn stattfinden.
Kinder haben Fragen. Vielleicht nicht jetzt, aber vielleicht später.
Kann dein Kind nicht einschlafen, weisst du, dass es in ihm arbeitet. Begleite es. Versprich, dass es Antworten zeitnah (!) erhalten wird. Wenn notwendig, beantworte jetzt.
7️⃣ Zur Not hol dir Unterstützung.
Ein Aufklärungsbuch oder ein entsprechendes pädagogisches Video, das ihr gemeinsam guckt (oder aber ihr sichtet es vorab und gebt ihr das Video später). Ich persönlich würde bei einem Teenager fragen, ob es alleine oder mit Eltern Aufklärung gucken will. Natürlich kein Porno! Auch kein Softporno.
Sex ist etwas Natürliches. Das Leben gründet in der Erotik und die Erotik gründet im Leben. That’s okay.
Ich bin keine ausgebildete Sexualpädagogin für Kinderaufklärung. Aber jeder Elternteil sollte es seinem Kind ehrlich und ohne Drama erklären können.
WAS DU SOMIT ERREICHST:
Ich erkläre es dem Kind auf körperlicher Ebene. Ohne Bienen und Blumen. Ohne „Papa steckt was rein“. Das ist nicht nur für Kinderohren creepy.
Sag „Frauenkörper“ und nicht „Mama“, damit das Kind nicht "Sex = Mama und Papa" im Kopf hat. Niemand will später beim Stöhnen an seine Eltern denken.
Ich nehme das Kind ernst. Es fragt, wir antworten verantwortungsbewusst.
Ein Sinnbild hilft, damit es verstehen kann, warum was passiert.
Wir geben dem Kind mit, dass es sich schön anfühlt – und dass es für Erwachsene ist.
Sex soll von Frau/Mann (oder halt eben FF bzw. MM oder XYZ) erlebt werden. Nicht von Kindern. Es entsteht so kein Druck, dass es das auch bald tun sollte/müsste.
Der Raum für Fragen wird sicher geöffnet.
Ich übernehme Verantwortung und gehe nicht nach dem Prinzip „hoffnungsvoller Affe“: ich sage nichts, höre nichts, sehe nichts über Sex und dass ich es getan habe, aber hoffe, dass das Kind weder Fragen stellt. Hoffe aber noch mehr, dass es mal ein gesundes Sexleben haben wird).
MACH ES EASY:
Sex ist wie Rasieren oder Küssen: Kommt vor, machen Erwachsene, aber eben in einem klar abgegrenzten, geschützten Rahmen.
TIPP:
Umso lockerer, unaufgeregter und klarer ihr aufklärt, umso weniger Drama entsteht daraus. Weder beim Kind noch bei den Erwachsenen.
Kinder sind unsere Schüler - und unsere Meister. Sie sehen, dass ihr Gefühle wie Scham habt. Das dürfen uns sollen sie, damit sie gesunde Erwachsene werden. Aber begleitet sie dabei.
Text mit Menschenliebe verfasst, Bild mit digitalen Ressourcen erstellt.
Weitere Tipps für bessere Paarqualität findest du in meinen Büchern.










