Sexuelle Übergriffe von Kindern. Und was das mit deiner Ehe zu tun hat.
- 15. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

Was mir seit meiner Arbeit als Vertrauensperson im körperlich-sinnlichen Bereich immer wieder auffällt ist, dass Kinder und Jugendliche weitaushäufiger Täter gewesen, als wir glauben.
Und dies nicht erst seit dem Handyzeitalter.
Die sexuelle Übergriffstäter die nie gesehen werden:
Sexuelle Übergriffe von Kindern.
Kinder sind Täter. Nicht erst seit heute.
Es ist der damalige Klassenkammerad der deiner Schwägerin.
Bereits 1975 - und früher.
Ich höre Geschichten, die in etwa so klingen:
„Als ich ein etwa neunjähriger Junge war, hat mich der 14-jährige auf dem Schulweg abgepasst und seine Hand in meine Hose gesteckt.
Ein anderes mal zwang er mich sein Ding in den Mund zu nehmen.»
Oder
„Ich war im Sandkasten, ca. 7 Jahre alt. Zwei zwölfjährige Jungen kamen hinzu warfen mir Sand in die Augen und zwangen mich, mein Kleid hochzuziehen. Dann rieben sie mir Sand in die Muschi.“
Was mir dabei auffällt:
⚠️ In den Geschichten, die mir erzählt wurden, waren es immer Jungen, die diese Taten vollbrachten
⚠️ Die Opfer waren Jungen wie Mädchen
⚠️ Selten wurden die Täter penetrativ tätig, dennoch wandten sie sexuelle Gewalt oder Übergriffe an
⚠️ Selbst wenn das Kind es zuhause erzählte, wurde nicht eingeschritten
⚠️ Die Taten wurden nicht geahndet
Heute sind diese Menschen erwachsen. Haben selbst Kinder oder gar Grosskinder.
Sind in Führungspositionen, tragen Verantwortung, wollen ein gesundes Sexualleben.
Aber das ist oft nicht mehr möglich.
Auch nicht, wenn es nicht einem selbst widerfahren ist, sondern der Partnerin.
Viele verdrängen die Taten, da sie weder verarbeitet noch geahndet wurden.
Und weil es kaum einen Begriff dafür gibt: ein Kind als Täter.
Die Übergriffe fanden im «kleinen Rahmen» statt.
Draussen, auf dem Spielplatz.Auf dem Nachhauseweg.Manche gar auf dem Schulgelände.
Nicht von pädophilen Tätern mit Kamera in der Hand.
Nicht immer vom alkoholisierten Vater.
Nicht immer vom Sporttrainer der nur Mädchen nachstellte.
Sondern von Kindern und Jugendlichen aus dem Dorf.
Aus der Nachbarschaft.
Aus dem Sportverein des Bruders.
Die einen Täter grobschlächtig auffällig, andere waren nur im Verborgenen gemein.
Gewalt gegen Kinder gab es immer. Das wissen wir.
Dass aber Kinder und Jugendliche in dieser Häufigkeit die Täter waren und in sind, das war mir bis zu meiner beruflichen Tätigkeit nicht bewusst.
Ja, Pornografie kann solche Untaten befeuern. Sie ist aus meiner Sicht aber nicht unbedingt immer der Auslöser.
Der Auslöser ist möglicherweise oft emotionale Vernachlässigung im eigenen Zuhause.
Und vielleicht, das ist ein lauter Gedanke, ein Ventil, weil sie selbst Gewalt in verschiedensten Formen erlebt haben.
Nicht alle meine Klienten waren selbst betroffen. Manchmal ist es die Ehefrau, die Expartnerin oder der Bruder.
Und manchmal das eigene Kind.
Meist wurde kaum oder nie darüber geredet.
Und nur ganz selten suchten Betroffene später professionelle Hilfe oder konnten das Erlebte aufarbeiten.
Das erlebte ich auch in meinem engsten privaten Umfeld:Man war stark, wenn man nichts sagte. Man hatte keien andere Wahl.
Therapeuten gab es kaum. Kinder konnten ohnehin nicht alleine professionelle Hilfe aufsuchen.
Was wir jedoch nicht auf dem Radar haben:
Dass der Täter des Opfers in der Parallelklasse der älteren Schwester sitzt.
Dass es der Kumpel vom Nachbarsjungen ist,
Das sind Gründe, warum viele Frauen nach der Kinderzeit keine Intimität mit ihrem Mann mehr möchten. Keinen Höhepunkt erleben oder den Akt kaum geniessen können.
Und ebenso gibt es viele Menschen im Berufsleben, die emotional distanziert wirken, weil sie als Knaben genau solche Erfahrungen machen mussten.
Ich bin sicher:
Auch du kennst ein oder mehr Personen, die als Kinder sexuelle Übergriffe erlebt haben.
Nicht immer in der Familie.
Nicht immer vom Patenonkel.
Nicht immer von fremden Erwachsenen.
Aber immer mit Narben, die geblieben sind. 🕯️
. . .
Wichtig:
Heute gibt es Möglichkeiten wie das Sorgentelefon, Notfallhandzeichen oder Sozialstellen in Schulen.
Ich bin keine ausgebildete Psychologin oder Therapeutin.
Manchmal wollen Menschen es nur einmal laut sagen.
Oder du bist Ehemann und willst verstehen, warum deine Frau es dir gesagt hat, aber keine Therapie will.
Ich kann beide Seiten verstehen.
Und falls du selbst als Kind Täter warst:
Auch dafür gibt es Wege der Verantwortung und der Sühne.Verdrängung ist keiner davon.
Die Geschichten sind abgewandelt und anonymisiert.















