Wut als Aphrodisiaka
- 5. März
- 6 Min. Lesezeit

Ein Video zum Thema "Wut & Ahrodisiaka" findest du unten
Wutkörper und Sex
Ich habe entfesselte Wut ⛓️💥 und das Gefühl von absoluter Schamlosigkeit einmal in einem sexuellen Setting erlebt.
Nicht im Sport und nicht im Coaching.
In einem One-Night-Stand geriet ich in eine Situation, in der der mir überlegene Mann alkoholisiert alles andere als Blümchensex betreiben wollte. Ungefragt drückte er mich gegen meinen Willen zu Boden, penetrierte mich, spuckte mir ins Gesicht. Schrie mich an und wollte, dass ich ihn währenddessen im Spiegel beobachte.
Es war intensiv und ich musste erst einmal verstehen, was da vor sich ging.
Sexuelle Gewalt hatte ich bereits in der Vergangenheit erlebt. Doch diesmal war es anders. Obwohl ich nicht gefragt wurde, ob ich Sex oder rohe Lust erleben wollte, fühlte es sich einvernehmlich an.
Ich liess los und beobachtete, was in mir passierte. Statt zu dissoziieren, wie es viele Opfer machen, drehte sich etwas in mir: Eine Wildheit entbrannte.❤️🔥
Wut,
Ekel,
Faszination,
Kraft,
Hass,
Erquickt,
Direkt,
Wild,
Ohnmacht,
Macht,
Dürfen,
Müssen,
Können,
Lust.
Alles war zeitgleich da. In mit aktiviert.
Eskalation
Je mehr er mich dominierte, desto mehr Gegenwehr gab ich.
Er presste meinen Körper gegen die kalten Bodenplatten, riss an meinen Haaren, schrie mich erneut an.
Ich schlug ihn - ohne Angst, aber mit einem überlegenen Lächeln in meinem Gesicht.
Er rammte seinen Körper in meinen und ich sah, wie Macht, Lust und zugleich Verzweiflung in ihm kochten.
Er keuchte, presste seine Lippen gegen meine, küsste wild, penetrierte weiter.
Kniff in meine Haut, sodass ich aufschrie, während seine Zunge mit meiner spielte.
Ich stiess ihn weg, er lachte.
Wieder packte er mich und riss mich zu sich.
Ich boxte mit meinem Fuss gegen seinen Oberschenkel und wusste haargenau, dass er nun mit seinem Gesicht gegen die Bodenplatten fallen würde.
Das dumpfe Geräusch des Aufpralls.
Sein Keuchen.
Schweres Atmen von uns beiden.
Er rappelte sich auf, schaute mich an – wild, aber mit einem Funken Belustigung in seinen Augen.
Stand wieder auf, riss mich am Arm hoch, zerrte mich in einen anderen Raum.
Auch hier wieder Fluchen, Anschreien, Beschimpfen - von ihm zu mir, von mir zu ihm.
Schweiss gebadet, war es mir scheissegal, ob es seine Nachbarn hören würden. Ob die Polizei käme oder wie lange das Ganze dauern wird.
Ich fühlte nur eine wilde Kraft in mir, die ich zum ersten Mal entdeckte.
Alle Scham war abgefallen.
Es war mir egal, ob er mir ins Gesicht spuckte, ob er wegen mir blutete, ob ich ihn persönlich beleidigte - und auch ob seine Partnerin zur Tür hereinkäme.
Sex mit diesme Mann war nie geplant.
Er zog mich in seine Wohnung und war innerhalb von zwei Sekunden entkleidet. Das hatte ich noch nie gesehen.
Ich stand ungläubig und irgendwie amüsiert da - immerhin war er sehr betrunken.
Doch sobald er nackt und offenkundig geil vor mir stand und mich packte, war er klar.
Er wusste genz genau, was er tat. Und warum er dies wollte.
Der Moment der Entscheidung
Ich hatte keine Angst, obwohl ich in seinen Augen ein Aufblitzen von Psychopathie sah.
Dieser Moment, in dem dir klar ist:
«Dieser Mensch könnte vielleicht zu allem fähig sein. Und es wäre ihm egal, wie es dir dabei geht.»
Normalerweise mache ich mich bei solchen Menschen unsichtbar, bin wie ein Geist, sodass ich nicht auf seinem Radar auftauche.
Doch diesmal war es anders.
Ich kannte diesen Mann seit vielen Jahren. Nicht extrem gut, aber klar genug, dass mein Bauchgefühl warnte. Und dennoch war ich bereit, ihn nach Hause zu fahren, da er - und das hätte er vielleicht getan - sonst selbst mit dem Auto gefahren wäre.
Wie so oft in meiner Vergangenheit fuhr ich also einen Betrunkenen nach Hause – und landete nun in dieser Situation.
Nun wurde ich von ihm geschlagen, bespuckt und angeschrien
und es war ab Moment eins ein Spiel daraus geworden.
Mein Kopf konnte mir nicht garantieren, dass ich gesund aus dieser Szene herauskommen würde.
Und doch war ich innerlich erstaunlich gelassen.
Neues Feld
Es eröffnete sich ein Feld, das ich noch nie betreten hatte:
Mein Innerstes ausbrechen lassen.
Ohne Regeln.
Ohne Scham.
Nur nackte Wut.
Hätte ich auch Fausthiebe verteilt? Nein.
Mein Innerstes war offenbar anders gepolt. Mit einer Art Menschlichkeit in der Wut und einem gesunden Verständnis von «quid pro quo».
Hätte ich diese letzte Grenze überschritten, hätte vielleicht mein Kopf gewonnen.
Doch obwohl wir diese letzte Grenze nicht überschritten und es keinen Richter am Spielfeldrand gab, fühlte ich mich sicher genug.
Die Klarheit
Die Tiefe der Emotionen war dadurch nicht gebremst - im Gegenteil.
Gerade weil all diese Emotionen Platz hatten, ohne Schiedsrichter namens Gesellschaft, entstand eine Klarheit.
Eine Klarheit über meine eigene Wut, so tief und so klar, wie ich sie zuvor nie erlebt hatte.
Es war ein geballtes Gefühl all der Wutsituationen, die ich mit Männern erlebt hatte.
Ich spürte, wie meine Haut unter den Aufprällen, seinen Schlägen und seiner Penetration anschwoll.
Und dieses Gefühl war in diesem Moment völlig in Ordnung. Es gehörte dazu.
Es gab mir Zugang zum Erleben.Zu meinem Körper.Zu meiner Wut.
Und zu wissen, dass auch ihn alles schmerzte.
Die Stunde danach
Eine Stunde ging dieser Kampf.
Eine Stunde körperliche und verbale Gewalt – doch an meine inerste Ebene kam er nicht heran.
Eine Stunde, in der ich es ihm gleich tat.
Auch ihn dominierte.
Auch ihn beschimpfte.
Auch wenn Spucken nicht mein Niveau war, war ich nicht heiliger als er. Vielleicht aber bewusster.
Schwer schnaufend lagen wir später lange Zeit nebeneinander.
Wir sprachen darüber.
Mit einem Ohr offen, ob die Tür aufging.
Interessanterweise hätte ich mich in diesem Moment null geschämt.
Ich war mir sicher:
Sie, seien Partnerin wusste, dass er nicht der Vanillasex-Typ war - und vielleicht wäre sie sogar froh gewesen, hätte er seine Wut mit mir ausgelebt.
Die Tür öffnete sich nicht.
Ich sollte es nie erfahen.
Doch ich erfuhr, als wir uns in den Armen lagen, dass er, der mich eben misshandelt hatte, sich eigentlich nach tiefer Verbindung sehnt.
Nach gesehen werden.
Nach Berührungen, die tief gehen.
Ich streichelte ihn, so wie ich es immer tat.
Hörte ihm zu, während meine Hände über seinen Körper glitten.
Gekonnt – aus den vielen sinnlichen Massagen, die ich als professionelle Erotikmasseurin in meiner Vergangenheit gegeben hatte.
Er fragte mich «Darf ich mal zu dir in eine sinnliche Massage kommen?»
«Ja – wenn du sie bezahlst.»
«Warum sollte ich für Berührung bezahlen?»
«Weil du sonst nicht fähig bist, diese Tiefe zuzulassen. Nicht mit einer Frau, von der du glaubst, dass sie dir unterlegen ist.»
Schweigen.
«Mh … das bist du nicht.Du bist immer noch hier.Du hast keine Angst vor mir.»
«Und darum kostet sie auch.»
Was ich daraus mitnahm
Laut Dr. Jack Morin, Sexualtherapeut und Psychoanalytiker,
ist Wut ein gefährliches, zerstörerisches Gefühl, das gleichzeitig auch Antrieb zur Erregung sein kann.
Nicht zuletzt haben das unzählige Menschen beim sogenannten Versöhnungssex erlebt.
Wut hilft uns, den Arsch zu heben, um die notwendige Kraft aufzubringen, in Aktion zu treten.
Männer spüren Wut oft leichter als andere Gefühle, müssen sie im Business jedoch meist gedrosselt leben.
Wut dient primär dem Selbstschutz, als Warnsignal vor Gefahren, damit wir überhaupt in Aktion treten.
Gleichzeitig hat sie die Eigenschaft, Verletzungen zu überdecken.
Dieses Gefühl will vermitteln:
Beachte mich.
Ich will das nicht.
Gib mir meinen Stolz zurück.
Aber auch:
Vorsicht – sonst verschaffe ich mir Genugtuung.
So sind Wut und Lust miteinander gekoppelt.
Wut enthemmt – und damit auch andere, oft verheimlichte Gefühle wie Scham und Ohnmacht.
Sie kurbelt Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin an und pusht das sexualfördernde Hormon Testosteron.
Wut kann destruktiv sein.
Aber neben ihrer erregenden Eigenschaft will sie den Menschen schützen und antreiben.
➡️ Würden wir im beruflichen Kontext dem Gegner gelegentlich wieder eine gepflegte Rangelei liefern, gäbe es vielleicht keinen Gruppensex im Raum – aber auch weniger chronisch unterdrückte Wut, die jedes Individuum drosselt.
Und wenn Wut im Konsens ausgelebt werden kann, kann sie durchaus auch Positives bewirken:
Sie kann unterdrückte Würde wieder aufrichten.
Wisse
Manchmal zeigt sich Würde nicht darin, Gewalt vollständig zu vermeiden.
Sondern darin, die eigene Wut, Kraft und Grenze bewusst wahrnehmen zu können.
Und ihr in einem gesunden Rahmen Raum zu geben.
Ich selbst habe keinen Drang mehr nach einer solchen intensiven Erfahrung in der Sexualität. Dieses Erlebnis war einmalig, weder geplant noch etwas, das ich reproduzieren möchte.
Doch ich bin dankbar dafür, dass ich meine Schattenseiten kennenlernen durfte – ohne langfristige Konsequenzen.
Video zum Thema Wut und Lust
Ich habe dir ein Video zum Thema Wut und Lust gemacht.
Dieses findest du in meiner Gentlemen’s Wissensbibliothek. Im Themenordner "Lust & Begehren"
Der Zugang ist für 7 Tage kostenfrei.
Ohne Abofalle,
ohne Adresse,
ohne Kreditkarte.


















