Die Geilheit und die Wut
- 1. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Stunde

Unter der Geilheit versteckt sich Wut. Im Bett UND Business.
Wer «geil» auf etwas ist, der ist enorm intrinsisch motiviert. Rückenwind par excellence. Hürden werden mühelos gemeistert. Die Energie bleibt da.
Und manchmal feuern Hürden sogar an:
Im Business der Konkurrent, der um eine Nasenlänge voraus ist.
In der Beziehung die Frau, die leicht kokettiert.
Doch unter der Geilheit, gerade im sinnlichen Kontext, versteckt sich sehr viel mehr als Push-Motivation und Rückenwind. Es sind Wut, Schmerz und Scham.
Die Geilheit dient jedoch dazu, dass wir weiterleben und uns bewegen. Ohne diesen Antrieb wären wir zum Hinsehen verdammt.
Darum üben Adult-Filme und anreizende Werbungen einen solch immensen Sog auf uns aus. Insbesondere auf Männer, da diese sich oft weniger in Reflexion und Gefühlsbetrachtungen befinden. Sie wollen lösen, handlungsstark, agil. Nicht weinerlich, verletzt und zuerst das innere Kind befragen, welchen Lolli es verloren hat.
Sehr oft versteckt sich zwischen geil sein und dem verletzten Anteilen aus der Vergangenheit ganz viel Wurt dazwischen.
Nimmt man den Rückenwind, fühlt man sich ausgebremst. Wie von der Autobahn mit 200 km/h direkt in eine Fussgängerzone, wo alles und alle nur nerven.
Man will vorwärtskommen. Nicht mühselig rumkurven und Geduld haben.
Wut treibt voran und versteckt die Details: dass man übermüdet fuhr. Dass man längst zur Toilette müsste. Dass Angst da ist, den Termin zu verpassen.
Doch die Geilheit wiederum lässt neue Narben entstehen: durch die Partnerin, die ihn abweist. Die seine Lust als unangenehm empfindet.
Der Mann schlussfolgert daraus: Meine Lust ist falsch.
Doch sie ist nicht falsch. Sie ist ein Zeichen, dass er lieber Dopaminkicks hat, statt einmal den emotionalen und körperlichen Keller auszumisten und damit die Beziehung (das Haus) zu pflegen.
Geilheit ist also nicht nur hormongetriebener Trieb, sondern eine Schutzfunktion des psychosomatischen Systems.
Wenn du dies weisst, kannst du deiner Lust Herr werden. Du bist nicht mehr Spielball. Weder vom ätzenden Marktbegleiter der Branche noch im Bett, wenn sie mal wieder Kopfschmerzen hat.
Vielleicht erlebst du Geilheit nun etwas anders, nicht ganz so ausgeliefert – und auch nicht unbedingt als etwas, das man mit Zwang bezwingen muss.
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