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Die blaue Mauritius – oder wie dich Freunde belügen

  • 5. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

 


Ein Bankstellenleiter in meinem Bekanntenkreis war mit dem Lebensgenuss gut befreundet: mindestens zweimal die Woche war an externen Partys, meist eher mehr. Besuchte jedes Netzwerktreffen und hatte ausnahmslos ein alkoholhaltiges Getränk in der Hand, welches er imemr gut nachfüllen liess. Reiste mit seiner Frau um die ganze Welt und prahlte zu jeder erdenklichen Gelegenheit, dass er enorm viel Sex hatte.


«Wir haben praktisch jeden Tag Sex! Und der ist meistens richtig, richtig gut.»

Durchaus war seine Frau attraktiv und es mag vorkommen, dass er einer der wenigen glücklichen Ausnahmen war, der nach mehreren Jahren Ehe sehr oft Sex mit seiner Frau hatte. Doch bis heuet bezweifle ich, dass dies der Wahrheit entspricht. Nicht nur, dass er kaum zuhause war und meist so viel getankt hatte, dass ich seine Erektionskraft und Ausdauer aus fachlicher Sicht in Frage stellte (seine körperliche Fitness gab auch nicht sonderlich viel her). Sondern vor allem, dass er in diesem Zustand Quantität und Qualität - nüchtern betrachtet - nicht wirklich realistisch einschätzen konnte.


Ja, vielleicht mochte er Quickie mit heruntergelassener Hose mit Bierfahne zwischen Abendtoilette und Rausch-ausschlafen.

Doch die Tatsache, dass seien Frau sich dazu niemals äusserte, besodners still wurde und ihre Körpersprache sowie Mimik etwas anderes zeigten, wenn er von heissem Whirlpoolsex berichtete war nicht von der Hand zu weisen. Möglicherweise war sie peinlich berphrt. Doch er schmückte die Storys immer sehr aus.


Heute, wo ich beruflich mit Sex zu tun habe, begegne ich oft dem Phänomen, dass Männer sobald sie von meinem Job erfahren lauthals und in aller Öffentlichkeit bekunden, dass SIE das Problem von zu wenig Sex oder gar Erektionsproblemen nieee hatten. Und dies, obwohl keiner im Raum dies andeutete oder direkt danach fragte.


Bereits im Militär lernte ich, dass umso lauter sich jemand proaktiv zum Thema Sex äusserte, ohne dass eine Frage gestellt wurde, da was im Busch war:

diejenigen die am lautesten prahlten, waren diejenigen die sich später zu mir schlichen um mich um Rat zu bitten – weil vorherig verkündetes eben nicht der Wahrheit entsprach.

 

Ich habe mit so vielen Menschen an neutralen Orten gesprochen, dass ich weiss: in eine Kreis von 10 Menschen haben geschätzt 8 weniger als wöchentlich Sex – oder zumindest weniger oft und in der minderen Qualität als sie sich wünschten.

Die anderen zwei waren meistens Frauen. Und selbst die: wenn man ihnen einen sicheren Raum gab, erzählten sie, dass wenn die Partnerschaft stimmt und kein Druck da wäre, sie den Sex irgendwo vermissten.


Nicht umsonst ist das Phänomen, dass eine Frau die zuvor Abstinenzlerin war als frisch gebackene Single-Lady plötzlich gerne datet oder – hau ruck – einen neuen Partner hat mit dem sie in der frischen Verliebtheitsphase wieder kichernd unter die Decke schlüpft.


Und die, die wirklich keinen Sex (mehr) wollen, sind, wenn man es genauer betrachtet, oft in einer bestimmten Weise von sich selbst getrennt. Oder aber haben den Weg von erfüllender, körperlicher Selbstliebe beschritten.

 

Glaube also nicht alles, was du von einem Schnorrer hörst. Es gibt keinen legitimen Grund, warum ein Mann die intime Zeit mit seiner Frau in aller Öffentlichkeit kundtut. Ein Gentleman mit Haltung hat das nicht nötig.

Im Zweifelsfall wähle die American Pie-Regel: Teile durch Drei.








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